#1

Stuart Clarke

in Technik 30.05.2016 11:24
von kingklops • 348 Beiträge

Kollegen von mir waren im Trainingslager in sörnewitz:

1. Hier nun die versprochene Zusammenfassung zum Training mit Stuart Clarke:

Sonntag, 22.5. gemeinsame Fahrt von 270Win, bigfish und meinereiner nach Sörnewitz. Ankunft spätabends im Gasthaus Lausa. Noch ein, zwei Bier und ab ins Bett.
Nächster Tag gemeinsames Frühstück mit Stuart Clarke (SC). Dieser nahm ein paar wenige Bissen, mehr im Stehen und in der Hocke. Dann die Wirtin noch um ein weiteres Glas Wasser gebeten und die zweite Diazepam eingeschmissen. Unerträgliche Rückenschmerzen! Er braucht dringend einen Termin bei einem Therapeuten. Die Wirtin kümmert sich und telefoniert, wir brechen auf zu J.F..Dort warten bereits weitere Schützen, die ebenfalls von SC ein paar Stunden trainiert werden möchten. Die Gruppe ist ihm zu groß, vor allem bei seinem Zustand. Nach kurzem Palaver die Entscheidung. Wir drei sind vormittags dran, die anderen gehen mit ihm nachmittags auf den Stand. Dann, sofern sich sein Befinden bessern sollte, könnten wir am nächsten Morgen nochmals mit SC weitermachen, nachmittags reihen sich bereits weitere Aspiranten ein.

Ab auf den Stand, rechts den Jakobsweg entlang. Bevor es losgeht mit der Ballerei etwas Theorie: Fragen zum Level, Wettkampferfahrung, Rechts- oder Linksschütze, ein Auge geschlossen oder beide offen, sodann Überprüfung der Augendomianz. bigfish und ich werden gebeten, beide Augen entgegen unserer bisherigen Gewohnheiten offen zu lassen, 270Win soll´s vorerst mal ebenfalls versuchen, evtl. können wir ihm später mit einer kleinen milchigen Klebefolie das linke Glas etwas abdecken.

Nach dem Vorgeplänkel nähern wir uns dem "Feind" in Theorie und Praxis. Die erste Taube wird vor dem ersten scharfen Schuss vorgeworfen. Wir analysieren die Flugbahn mit Hilfe folgender Fragen:

Wo kommt die Taube her, fliegt sie gerade oder steigt oder sinkt sie, kommt sie auf uns zu oder fliegt sie von uns weg, wie ist die Entfernung, nah, mittel oder weit, ist sie eher schnell oder langsam.
Nachdem wir all das gespeichert haben gilt:

1. KILL POINT: Wir bestimmen den Punkt oder besser gesagt den Bereich, manche sagen dazu Fenster, in dem sie das Ziel (die Taube) beschießen wollen

2. FOOT POSITION: Nach dem kill point richten wir die Fußstellung aus. Dazu später mehr!

3. BARREL HOLD POINT: Wir richten unsere Läufe aus! Situativ abhängig, aber als Anhaltspunkt in etwa auf halbem Weg zwiscen kill point und eye pick up point.

4. EYE PICK UP TARGET POINT: Dort erwarten wir das Ziel im SOFT FOCUS

5. FOCUS HARD ON TARGET: Sobald wir in Anschlag gehen richten wir unseren Focus nur und ausschließlich auf das Ziel!

6. KEEP HEAD STILL AND FOCUS HARD ON TARGET UNTIL IT BREAKS: Wir müssen die Taube brechen sehen. "You must see your target die!"

7. FEEL FOLLOW ON: Zieh mit den Läufen durch und bleib nicht abrupt stehen!

Ja, und was soll daran neu oder besonders sein?! Haben wir doch alles schon x- fach gehört oder gelesen!
Das Überraschende und Verblüffende für uns alle war, dass, wenn du das genau so wie oben beschrieben befolgst, du kein lead picture brauchst, ja nicht mal hast. Du konzentrierst dich so auf das Ziel, dass alles darum herum aus dem Focus verschwindet. Natürlich nimmst du periphär und unterbewusst auch deine Läufe und den lead war, aber du kannst dich nach dem Schuss nicht mehr daran erinnern.

Vertraue deinem Unterbewusstsein!

Die Vorbereitung findet vor dem Schuss statt! Alles ist abgespeichert (siehe oben Flugbananalyse!)
Unmittelbar vor dem Schuss gilt es eine

PRE-SHOT ROUTINE durchzuführen:

WORK ON BREATHING: wenn du die Platte oder deinen Stand betritts, atme 4, 6 oder 8-mal durch. Was du machst ist dir überlassen, aber mach es zur Routine!

CLEAR YOUR MIND AND RELAX: Der Kopf ist jetzt leer, befreit von allem Ballast.

THEN CALL FOR THE TARGET: Du rufst die Taube ab!

--------------------------------------------------------------------------------------- Break-------------------------------------------------------------------------------------------------------

Noch ein paar Worte zur Fussstellung:

Annahme: Der kill point liegt auf unserer imaginären Uhr auf 12:00 Uhr, dann gilt

Ziel fliegt von rechts nach links: linker Fuss zeigt auf 1:00 Uhr, rechter Fuss auf 2:30

Ziel fliegt von links nach rechts: linker Fuss zeigt auf 2:00 Uhr, rechter Fuss auf kurz vor 3:00

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ich wiederhole mich hier gerne, weil es die Essenz obiger Schiessmethode darstellt: Es ist diese absolute Focussierung auf das Ziel und auf keinen Fall auf die Laufschiene!!! sowie das blinde Vertrauen in das Unterbewusssein, welches die Läufe in die gewünschte Richtung steuert. SC demontierte in einem anderen Kurs als erstes dem Schützen seine nagelneue grell leuchtende Zielschiene. Weg damit, lenkt nur ab!

Der Meister selbst demonstrierte mit verschiedenen Flinten, wie er mit seiner Methode bei ihm absolut unpassenden Schäftungen, einmal passt die Schränkung überhaupt nicht und er sieht "meilenweit" an der Laufschiene vorbei, ein anderes Mal sieht er viel zu viel Schiene, bei voller Focussierung auf das Ziel die Tauben pulverisiert. Aus der Hüfte, unter der Achsel, alles machbar. Natürlich nicht für uns! Aber wir erlebten es selbst, wie die Tauben platzten, wenn wir ihm folgten und wie wir bestraft wurden, wenn unser Zenralrechner die Steuerung übernahm.

Werden wir jetzt alle bei Befolgung des Gelehrten morgen Wetmeister? Mitnichten! Erstens hat ein TOP- Schütze, je nach Präsentation mehr als nur ein Werkzeug und eine Methode im Koffer, aber ca 80% aller Präsentationen lassen sich damit erfolgreich angehen, zweitens heisst es üben, üben und nochmals üben! Mit ca. 2 Jahren sollten wir rechnen, bis wir alle unsere im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte angeeigneten Verhaltensmuster auslöschen und durch neue so ersetzen, dass sie uns in Fleisch und Blut übergegangen sind. Eine Warnung gab er uns noch mit: Üben heisst nicht, eine Box Patronen an einem Nachmittag rauszuballern, sondern voll konzentriert nach Methode zu arbeiten. Was das bedeutet haben wir selbst erlebt. 250 - 300 shells am Stück lockeres Ballern mit Freunden und ich bin immer noch frisch, 150 Tauben volle Konzentration mit SC und ich war platt!

Noch kurz zum zweiten Tag: Am späten Vormittag, nach dem Arzttermin von SC, ihm ging es schon wieder deutlich besser, war unsere Dreiergruppe wieder dran.
Zuerst nahm sich SC des verstellbaren Schaftes eines unserer teammembers an, nachdem der sonst überaus robuste Kerl, der bereits mehrfach durch das Stahlbad von "high frequency power shootings" mit GNB ging, am Vortag arge Schläge an Schulter und Gesicht einstecken musste. Alsdann wurde auch seine Brille mit einem kleinen Abdeckpunkt verarztet, was sich auf Grund nicht konstanten Anschlages nicht einfach darstellte. Nach ein paar Schüssen im Feld wurde nachjustiert und gut war´s. Heute nahmen wir uns schwerpunktmäßig Dupletten vor. Foot position, hold point, eye pick up point galt unser besonderes Augenmerk! Wenn das nicht stimmte und Lauf und Augen nicht die ideale Position für die zweite Taube fanden, bakamen wir des öfteren zu hören: don´t chase the target!

Jeder von uns Teilnehmern hat nun seine Hausaufgaben zu machen. Der eine muss sein besonderes Augenmerk auf die Fussstellung richten und sich von den sicherlich hart erarbeiteten lead pictures lösen, wo das Auge immer wieder bei der Schiene um Rat fragt, ob das Vorhaltemass noch stimmt, einem anderen äusserst talentierten "future German champion", welcher selbst den Meister phasenweise mit genialen Schüssen beeindruckte, wurde mitgegeben, "feel the move, don´t force the move, move more, und öfters: smooth, smoother. Eine gute Schiessbrille sollte auch noch im Budget sein! Ja, und bei mir? Ich habe als Ältester mit den am längsten sich verfestigten bad habits wohl die größte Herausforderung vor mir: keep the head on the stock still until you see the target die and follow on!!!
Ich sehe die Umsetzung bei mir als persönliche Herausforderung, auch im Alter sich Neuem aufgeschlossen zu zeigen, vor allem, wenn man davon überzeugt ist, gehe das Ganze allerdings als Schütze, der keine Wettkampfambitionen hat, ganz relaxed an.


Parcours ist Golf mit der Flinte
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#2

RE: Stuart Clarke

in Technik 30.05.2016 12:36
von Gentleman • 1.512 Beiträge

.

Das wichtigste bei diesem Coaching ist „Offenheit für Fortbildungsimpulse“
Offenheit ist die zentrale Grundlage für jede Weiterentwicklung. Menschen mit einem hohen Wert bei diesem Faktor haben eine positive Einstellung gegenüber Fortbildungen und damit verbundenen Veränderungsimpulsen. Sie empfinden Inhalte und Übungen als nützlich. Sie lassen sich auf Neues und Ungewohntes ein. Es gelingt ihnen, gelernte Verhaltensregeln auf sich selbst passend anzuwenden. Die häufigsten Ursachen für fehlende Offenheit sind: Negativ-Erfahrungen in früheren Fortbildungen und Selbstschutz, um sich nicht mit eigenen Schwächen konfrontieren zu müssen.
Das heißt, auch wenn man beim nächsten Wettkampf erst einmal unter seinen vorherigen Möglichkeiten schießt, sollte man beim neu Erlernten bleiben und weiter an der Umsetzung trainieren. Viele geben schon nach kurzer Zeit auf und verfallen in ihre alten Abläufe, nur weil sie meinen schlechter zu werden. SC sagt ja selbst er kann bis zu 2 Jahre dauern, bis man stetig besser wird.
Fazit: man braucht einen langen Atem……..


Beim Flintenschießen, wird zuviel theoretisiert und zu wenig geschossen.
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#3

RE: Stuart Clarke

in Technik 01.06.2016 22:09
von edward • 2.329 Beiträge

http://www.stuartclarkeshooting.co.uk/about-stuart/
Das ist sicher ein Erlebniss wert mit solch einem Instructor zu schiessen. Ansich nix neues, wie kingklops es schon richtig bemerkte.
Kill point bis zum follow on kennen wir alles. Es sind grundsätzliche Grundbedingungen die oft außer Acht gelassen werden. Es macht Sinn sie sich immer wieder in´s Gedächtnis zu rück zu rufen.
Ich kenne einige denen man das immer wieder einbleuen muß.
Was oft unterschätzt wird ist die mentale Seite. Mir ist das ganz wichtig da dass mein Problem ist und ein Schiesslehrer meistens da zu neigt: "Irgentwie vorbei geschossen". Hinten, drüber drunter usw. Nur wenn man mal einen Flintenlehrer für einen Vormittag bucht - er kennt mich ja nicht.
Selbst im Ammateur Sport hat sich das mentale Training bzw das erkennen mentaler Schwäche längst durch gesetzt. Aber nicht im Wurfscheibenschiessen.
Daher ist das gemeinsame Schiessen mit Freunden die einen kennen oft eine sehr sinnvolle Sache. Oft Sinnvoller als einen unbekannten instructor zu buchen.
Ich habe das heute wieder gesehen bei zwei Anfänger: die waren einfach sehr nervös und machten einen Fehler nach dem anderen. Da muß man beruhigend ein wirken.
Dennoch, ein Experte weist auf eingeschlichene Fehler hin.
Und wie gentleman richtig sagte: Offenheit - für jede Weiterbildung.
Neu erlerntes und an der Umsetzung zu arbeiten.
Eines ist aber nicht nach meinem Sinn: "you must see your target die". Ich weiß nicht wer aber ein renomierter instructor sagte: kuck der Taube nicht hinter her. Bei Doubletten geht das eh nicht.
Edward


be fair
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#4

RE: Stuart Clarke

in Technik 02.06.2016 07:50
von kingklops • 348 Beiträge

Ich kann das eh nicht umsetzen, ich ziele auch weiterhin jede Taube, ich schaffe es nicht nur auf die Taube zu gucken.. Ich war bei dem Training leider nicht dabei..

Der Taube nachgucken bis sie bricht macht man ja sowieso.. wie will man sonst wissen ob man den 2. Schuss noch braucht.. und eine Dublette besteht erstmal nur aus einer Taube...es sei denn die Regeln sagen dass man jede Taube nur mit 1 Schuss beschießen darf.


Parcours ist Golf mit der Flinte
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#5

RE: Stuart Clarke

in Technik 02.06.2016 11:04
von edward • 2.329 Beiträge

Natürlich muß man sehen ob man die zweite Taube getroffen hat; nach meiner Erfahrung macht man das instinktiv. Kann aber passieren das man ein kleines Stück nicht sieht aber viele Schützen schiessen eh sofort nach wenn es nicht sicher ist.
Ich meine etwas anderes, habe ich etwas undeutlich Formuliert: Ich sehe manchmal das mancher schiesst und sofort kuckt ob getroffen - dabei hebt er den Kopf - und der zweite Schuss geht dann meistens vorbei. Also der Kopf MU? an dem Schaft bleiben. Interessanterweise machen das einige nicht.
Aber das betrifft nicht die erfahrenen Schützen. Das sind manchmal kleine Fehler die sich ein schleichen.
Edward


be fair
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