#1

Die weiten querstreichenden Tauben !

in Technik 29.04.2015 16:23
von Gentleman • 1.512 Beiträge

Artikel von Roger Hill im
Clay Shooting Magazine 08/07

Die weiten querstreichenden Tauben können die entmutigensten aller Ziele für C-Klasse- Schützen sein, da das „Vorhalte-Bild“ groß ist und immer die Neigung besteht, über die Flinte zu schauen und das Vorhaltemaß zu messen. Dieses Messen ist verhängnisvoll, da die Bewegung der Flinte verlangsamt , oder im schlimmsten Fall, gestoppt wird. Um dieses zu vermeiden, muß man lernen, wie das eigene Wahrnehmungsvermögen zur Erkennung des Vorhaltemaßes ist. Einige sehen in Zentimetern, einige in Dezimetern, andere in Metern.
Eine Möglichkeit, um dieses wahrnehmen zu lernen, ist folgende : Stelle einen Pfahl auf
35 m Entfernung auf, und 2,5 m rechts daneben einen weiteren Pfahl, mit einer Wurftaube darauf. Dies ist das ungefähre theoretische Vorhaltemaß, daß eine Taube auf dieser Entfernung benötigt. Dann schlage die Flinte auf den linken Pfahl an und schwinge dann rüber zum rechten Pfahl. Dies bewirkt zwei Dinge : Erstens gibt dies einem die Erkenntnis, wie 2,5 m auf 35 m aussehen, und zweitens ist dies eine physische Kontrolle, ob die Auge-Laufschiene-Ausrichtung richtig ist, die es einem ermöglicht, die Taube zu sehen, ohne das der Kopf angehoben oder bewegt werden muß.

Es muß außerdem in Betracht gezogen werden, dass, je weiter eine Taube entfernt ist, der Eindruck vermittelt wird, daß sie sich langsam bewegt. Um hierfür eine Vorstellung zu bekommen, stellt man sich direkt an eine Straße, wo die Autos mit 70 km/h fahren, der ungefähren Durchschnittsgeschwindigkeit einer Wurftaube. Nun zeigt man mit dem Finger auf das fahrende Auto und mekt sich, wie schnell sich der Arm bewegt. Nun geht man vom Strassenrand zurück und stellt sich 25 m entfernt, dann 30 m entfernt und schliesslich 35 m entfernt auf. Nun vergleicht man, wie schnell sich der Arm jetzt bewegt hat. Dies wird erheblich langsamer gewesen sein, obwohl der Verkehr mit der gleichen Geschwindigkeit weiter gefahren ist. Dies verhält sich genau so bei einer Taube auf 25 m , 30 m und 35 m, die sich mit gleicher Geschwindigkeit fortbewegt.

Alle oben genannten Faktoren müssen in Betracht gezogen werden, wenn man weiter entfernte querstreichende Tauben in Angriff nehmen will. Man muß seine „Hausaufgaben“ machen, bevor man den Stand betritt: Wähle den bevorzugten Treff-Bereich und schätze Deine Reaktionszeit ein. Entscheide Dich, welche Methode des Vorhaltens Du wählst, bevor Du in den Stand trittst. Bei Anfängern und weniger geübten Schützen geht das Vorziehen bei weiten querstreichenden Tauben recht gut, und sollte die erste Wahl sein. Das Einhalten eines bestimmten Vorhaltemaßes funktioniert gut, wenn man die Neigung hat, auf das Ende des Laufes zu schauen und das Vorhaltemaß zu bestimmen, weil Du die ganze Zeit vor die Tauben schauen mußt, bis das Zielbild stimmt.

Nun ist man auf dem Stand und bereit die Taube abzurufen. Du weißt, wo Du die Tauben treffen willst (bevorzugter Treff-Bereich) und Du stehst ausbalanziert und bequem in Richtung dieser Zone. Du kennst Deine Reaktionszeit , um die Taube zu sehen, und so wartest Du entlang der Fluglinie der Taube an der richtigen Stelle, so daß die Taube Dich nicht ‚schlagen‘ kann. So wie man die Taube aufgenommen hat und ihre Bewegung verfolgt, um Geschwindigkeit und Richtung zu ermitteln, verwende ein klein wenig mehr Zeit auf Tauben dieses Typs, um dem Gehirn etwas länger die Gelegenheit zu geben, die Geschwindigkeit und die Richtung herauszufinden. So verweile einen Sekundenbruchteil länger auf dem Ziel, damit der „Bord-Computer“ soviel Informationen wie möglich erhält. „Schau auf die Taube; schau auf die Taube und halte vor!“ Dies läßt Dich den Sekundenbruchteil länger auf der Taube verweilen, als wenn man sich sagt „Drauf, und Schuß!“
Denke an das Bild der Taube auf dem Pfahl, und wenn Du das Gefühl hast, Du wirst die Taube treffen, folge diesem Gefühl und ziehe den Abzug. Mache keine Kontrolle vorher, da dies verhängnisvoll ist und es darin endet, daß die Taube hinten vorbeigeschossen wird. Versuche niemals weite Tauben mit Geschwindigkeit zu bekommen.

Man wird eine Menge üben müssen, um bei dieser Art der Tauben das eigene Auffassungsvermögen für das benötigte Vorhalten zu kennen und welche Methode des Vorhaltens die beste ist. Dein Vorhalten muß instinktiv und nicht abgemessen sein.
Denke dran, Du magst vielleicht in Zentimetern sehen, aber ein anderer Schütze sieht in Dezimetern, auch wenn beide die Taube getroffen haben. Ich hatte einmal einen Schützen, der Probleme hatte mit einer rechts-nach-links-Quertaube von einem Turm. Diese Taube benötigte ein Vorhaltemaß von gut 3 m. Nach einer Weile brachte ich ihn dahin, daß er die Taube traf und fragte ihn, welches Vorhaltemaß er sieht. Er hielt die Hand hoch und spreizte Dauen und Zeigefinger im Abstand von ungefähr 15 cm. Ich fragte ihn, wieviel das für ihn wäre und er antwortete, ungefähr 2,20 m. Wie man daraus sieht, ist das Vorhaltemaß sehr persönlich. Kopiere nicht das Vorhalte-Auffassungsvermögen von anderen Schützen, sondern lerne Dein eigenes. Denke dran : Das Vorhalten muß eine instinktiver Ablauf sein, und keine logische Bewegung. Schaue was die Taube macht, aber konzentriere Dich auf das Vorhalten.

Ein anderer Faktor der beachtet werden muß, wenn man Quertauben beschiesst, ist die Tatsache, dass es für einen Rechtsschützen leichter ist eine Taube von rechts nach links zu schießen , als umgekehrt. Das liegt daran, dass er von rechts nach links mehr natürliche Bewegung als von links nach rechts hat. Wenn eine Taube auf Deiner „guten Seite“ kommt und die Führhand auf das Ziel zieht, ist es halt einfacher etwas ziehend zu kontrollieren, als wenn man drücken muß. Vergleichbar ist es mit einem Pferd, daß man mit dem Gesicht zur Kutsche vor eine Kutsche spannt.Das Pferd hat keine Kontrolle über die Kutsche, wenn es sie schibt, hat aber jede Menge Kontrolle, wenn es die Kutsche zieht. Die Flinte kommt auch in das Gesicht und durch den Mangel an freier Bewegung von links nach rechts, benötigt eine Taube, wenn sie auf Deiner „schlechten“ Seite von links nach rechts kommt, bei einem Rechtsschützen immer ein größeres Vorhaltemaß. Das liegt daran, daß es schwieriger ist eine Flinte, unter Beibehaltung gleich guter Kontrolle, zu schieben und die Flinte dazu neigt aus dem Gesicht geschoben zu werden, wegen dem Fehlen der nötigen Kontrolle, wenn die Waffe geschoben wird. Somit sei sehr wachsam, wenn die Tauben auf Deiner „schlechten“ Seite kommen : Links nach rechts für den Rechtshänder und rechts nach links für den Linkshänder.

Zusammenfassung

* Weit entfernte Quertauben benötigen eine lange und langsame Bewegung der Flinte. Im Gegensatz zu den nahen schnellen Tauben, wo die Bewegung kurz und schnell sein muß.
* Auf 25 m hat eine halbchokeSchrotgarbe vorne einen Durchmesser von 75 cm- und ein wenig weniger hinten- aber sie ist 3 m lang. Falls man im Zweifel ist, nimm ein größeres Vorhaltemaß. Dann besteht immer noch die Möglichkeit, daß die Taube von der Schrotgarbe getroffen wird, nicht aber, wenn Du bereits hinter der Taube bist.
* Sei nicht besorgt über das Abfallen der Schrote. Die Schrote fallen auf 35 m ca. 10 cm, so daß man sich bei einem vorderen Garbendurchmesser von 75 cm diesbezüglich keine Sorgen zu machen braucht.

.


Beim Flintenschießen, wird zuviel theoretisiert und zu wenig geschossen.

zuletzt bearbeitet 29.04.2015 16:26 | nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 2 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Cinkyn
Forum Statistiken
Das Forum hat 958 Themen und 5404 Beiträge.

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen