#1

Wie man Tauben „liest“ ?

in Technik 29.04.2015 16:20
von Gentleman • 1.516 Beiträge

Artikel von Roger Hill im
Clay Shooting Magazine 10/07


Eine der häufigsten Ursachen, die unsere normalen Schiess-Ergebnisse nach unten ziehen, ist die Unkenntnis, was die Taube eigentlich macht, d.h. wie sie wirklich fliegt. Wie oft ist es schon geschehen, dass man einen Stand betrat, die erste Dublette abrief und prompt beide Tauben vorbei schoß, weil man nicht wusste, was die Tauben machten. Nach einiger Zeit hat man herausgefunden, wie sie wirklich fliegen, aber da waren schon zwei oder drei Tauben gefehlt. Dies ist heutzutage ein größeres Problem als zu den Zeiten, als die meisten der 100-Tauben-Turniere über 10 Stände mit jeweils 10 Tauben geschossen wurden. Schoß man jeweils zwei Tauben vorbei, war das ein Verlust von 20% und man landete mit diesem Ergebnis noch in der A-Klasse. Aber heute werden weniger Tauben auf mehr Ständen geschossen, so dass der prozentuale Verlust beträchtlich ansteigt. Angenommen, man hat auf einem Stand mit sechs zu beschiessenden Tauben 2 Fehlschüsse, so ist auf einmal die Verlustrate auf 33% angestiegen. Im Gesamtergebnis reicht dies dann meistens nur noch für einen Mittelplatz in der B-Klasse.
Wie bewältigen wir nun das Problem, ein paar Tauben mehr zu treffen und in der A-Klasse voranzukommen? Zuerst muß die Taube beobachtet werden, wobei ich nicht meine wie sie getroffen wird, sondern beobachte ihren Flug, und achte darauf, was sie macht. Dies ist die Reihenfolge wie ich sie lehre, um ein fliegendes Ziel zu „lesen“.
Als erstes finde heraus, wo Du sie treffen willst. Finde diesen Punkt, an dem Du am bequemsten stehst um diesen wichtigen Vorgang auszulösen. Denke stehst daran, versuch die Taube zu treffen, wenn sie noch mit Schwung fliegt.In diesem Fall ist nämlich das Vorhaltemaß nur eindimensional, d.h. man braucht nur die Voraus-Flugbahn zu berücksichtigen. Wenn eine Taube beginnt an Geschwindigkeit zu verlieren und dadurch absackt, wird das Vorhaltemaß zweidimensional, d.h. man muß gleichzeitig eine Vorwärts- und Abwärts-Bewegung berücksichtigen.

Wenn wir nun wissen, wo wir die Taube treffen wollen, legen wir fest, wie wir die Taube annehmen wollen. Wir müssen am Break Point( Punkt, wo die Taube getroffen werden soll) ausbalanciert stehen. Dies gibt uns annähernd einen freien Bewegungsradius von 180°, ohne dass wir dieSchulter verdrehen müssen: 90° um das Ziel aufzunehmen, ausbalanciert, wenn der Abzug betätigt wird, und 90°, um durchzuschwingen oder durchzuziehen, ohne die Flugbahn zu verlieren.

Wenn man den Break-Point gefunden hat, achte auf die Taube, wo sie herkommt. Merke Dir die Flugbahn. Eine große Hilfe ist es, auf die Taube zu zeigen. Aber nicht nur auf das Ziel sehen, sondern darauf achten, was die Hand macht. Dies zeigt Dir nämlich genau die Flugrichtung der Taube, unter Beachtung des Hintergrundes. Sehr oft sieht es nämlich so aus, das eine Taube waagerecht fliegt, in Wirklichkeit aber steigt oder fällt, abhängig vom Aussehen des Geländes. Dieses Zeigen auf die Taube zeigt einem immer, was die Taube eigentlich macht.
Einige Parcour-Designer beherrschen die hohe Kunst, das Aussehen des Hintergrundes so einzusetzen, dass die wirkliche Flugbahn der Taube verborgen bleibt. Der Hang eines Hügels, der Verlauf einer Hecke oder eine weiter entferntere Stromleitung, können dem Schützen etwas vortäuschen, was die Taube gar nicht macht.

Wenn der Break-Point und die Flugrichtung bestimmt sind, müssen zwei weitere Punkte entlang des Tauben-Flugweges herausgearbeitet werden. Der erste ist unser Sichtpunkt (SP), dass ist dort, wo man zuerst die Taube deutlich sieht. Das heißt, dass man das Ziel nicht als vernebeltes Bild oder Blitz sieht, sondern scharf und deutlich mit klaren Konturen.
Als nächstes müssen wir unseren Mündungshaltepunkt (MP) finden. Der Abstand zwischen SP und MP ist unsere Reaktionszeit. Wenn wir mit der Flinte beim SP warten, bis wir auf die Taube reagiert haben, hat sie uns bereits passiert und wir haben nur noch die Möglichkeit, die Taube unkontrolliert durch Durchschwingen zu beschiessen. Daher müssen wir unsere Reaktionszeit kennen. Diese wird wie folgt ermittelt.
Diese Übung wird ohne Flinte gemacht. Das nächste Mal, wenn Du auf einem Stand bist, ruf eine Taube ab und lege Deinen SP fest, d.h. den Punkt, wo Du die Taube deutlich siehst. Schaue auf den SP und halte die Führhand ( die Hand, die den Vorderschaft hält) angewinkelt in Hüfthöhe. Rufe eine weitere Taube ab und gehe mit einer fliessenden Bewegung auf die Taube, bis der ausgestreckte Arm direkt auf die Taube zeigt. Diesen Punkt merken. Der Abstand zwischen dem SP und diesem Punkt bestimmt Deine Reaktionszeit. Wiederhole diesen Vorgang noch mit einigen anderen Tauben und so erhält man eine ziemlich genaue Aussage über die Reaktionszeit. Und nun kennst Du Deinen Mündungshaltepunkt (MP)

Nun da unser Break-Point, SP und MP festgelegt sind, müssen einige Objekte im Hintergrund bestimmt werden, die als Referenzpunkte dienen sollen, wo man hinsieht oder wartet. Schaue unterhalb des SP und wähle etwas aus, dass diese Position genau markiert-einen Baum, einen Zaunpfahl, ein Haus am Horizont- also irgendetwas, was einem einen genauen Referenzpunkt gibt, so das man für jede Taube auf diesen Fleck schaut. Mache das Gleiche für den Mündungshaltepunkt und den Break-Point. Man wird wahrscheinlich immer an der selben Stelle starten und enden, wenn man alle Abweichungen beseitigt hat.

Wenn dieses alles herausgefunden und man überzeugt ist, dass, bevor man schiesst, die richtige Stellung eingenommen ist und man auf die richtige Stelle schaut, benötigt man nur noch die nötige Routine, daß vorher beschriebene richtig umzusetzen.Halte diese Reihenfolge bei jedem Schuß ein, und falls im Ablauf irgendetwas nicht korrekt ist, breche diesen Vorgang ab und beginne von vorn, so daß man sicher ist, daß alles perfekt ist bevor man die Taube abruft. Denke dran, die meisten Tauben werden gefehlt, weil die Vorbereitung zum Schuß schon falsch war. Dies ist die Reihenfolge, wie sie von mir gelehrt wird, und wenn man daran festhält, wird es alle Abweichungen ausschliessen. Egal nach welche Methode man schiesst, sei es nun Durchschwingen, Vorziehen oder die Einhaltung eines bestimmten Vorhaltemaßes. Das liegt daran, daß dies alles auf Deinem Wissen aufbaut, wo Du die Taube treffen willst, und wo der Sichtpunkt und der Mündungshaltepunkt liegt.

Wenn man nun in den Stand kommt, richte Deine Flinte in die Treff-Zone. Dies erlaubt Dir die Auge-Laufschiene-Ausrichtung (mit angeschlagener Flinte) zu überprüfen und ob Du gut ausbalanziert zu der Stelle stehst, wo die Taube getroffen werden soll. Steht man nicht bequem, richte Dich so lange aus, bis man ausbalanziert zur Treff-Zone hin steht. Und denk positiv . Sage zu Dir : „Hier werde ich die Taube treffen“ und nicht „Hier könnte ich die Taube vielleicht fehlen“:

Dann drehe Dich mit angeschlagener Waffe zurück auf den Mündungshaltepunkt. Dies ist Muskel-Memory, man zeigt dem Körper, was er machen soll. So wie Du auf den MP zeigst, führe keine weiteren Kontrollen durch. Nimm die Waffe aus der Schulter, richte den Blick auf den Sichtpunkt und rufe die Taube ab. Denke daran, erst in die Richtung schauen und dann abrufen. Und nicht umgekehrt, wie es sehr viele Durchschnitts-Schützen machen. Die meisten überprüfen nämlich noch ihren Anschlag, während sie schon abrufen. Dies sollte bereits in der Treff-Zone erledigt sein.

Richte Deinen Blick so weit wie möglich auf den Sichtpunkt, den Du klar erkennen solltest.
Dadurch sieht man die Taube schneller als deutliches Ziel.


Zusammenfassung

Bevor man in den Schützen-Stand tritt :

• Lege Deinen Treffpunkt fest
• Finde den Sichtpunkt, wo Du die Taube deutlich siehst
• Arbeite den Mündungshaltepunkt heraus, bestimme die Reaktionszeit
• Studiere die Flugbahn der Taube, wo kommt sie her und was macht sie, und laß Dich nicht vom Hintergrund täuschen

Nachdem man den Schützen-Stand betreten hat :
• Stehe ausbalanciert in Richtung, wo Du die Taube treffen willst (Treff-Punkt)
• Richte Deine Waffe in die Treff-Zone und überprüfe Anschlag und Stand
• Schwinge mit angeschlagener Waffe zurück auf den Mündungshaltepunkt und nehme die Waffe aus der Schulter
• Richte den Blick scharf auf den Sichtpunkt und rufe die Taube ab.
• Erst schauen, dann abrufen!

.


Beim Flintenschießen, wird zuviel theoretisiert und zu wenig geschossen.
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#2

RE: Wie man Tauben „liest“ ?

in Technik 29.04.2015 22:33
von edward • 2.346 Beiträge

• Stehe ausbalanciert in Richtung, wo Du die Taube treffen willst (Treff-Punkt)
• Richte Deine Waffe in die Treff-Zone und überprüfe Anschlag und Stand
• Schwinge mit angeschlagener Waffe zurück auf den Mündungshaltepunkt und nehme die Waffe aus der Schulter
• Richte den Blick scharf auf den Sichtpunkt und rufe die Taube ab.
• Erst schauen, dann abrufen!

Ansich recht einfach bzw logisch. Ich hatte heute wieder typische Kardinal-Fehler beobachtet.:
Treffpunkt stimmt nicht - Stand (Fußstellung) falsch, Mündungshaltepunkt zu nahe am Hochhaus bzw Niederhaus bei Skeet (der Weg ist zu lang) und der Sichtpunkt passt nicht weil sich wenige überhaubt darüber Gedanken machen; denn muß man allerdings herraus finden denn das sieht jeder anders.
Wir haben einen Schützen der immer noch vieles falsch macht was Hill treffent beschreibt. Aber er ist kaum belehrbar. Das ist ähnlich wie falsche angewöhnte Tanzschritte: ein Tanzlehrer kann dabei verzweifeln.
Ausbalanciert stehen mit richtiger Fußstellung....unglaublich wichtig...vielleicht das A und O. Wir schiessen ja nicht mit den Armen. Die sind nur dazu da das die Flinte nicht herrunter fällt. Sie kann ja nicht schweben ? Geschossen wird aus der Hüfte mit dem Oberkörper. Das geht nur wenn man ausbalanciert steht. Sonst blockiert man sich ja selber !
Ich sage immer: man muß comfortable stehen.

Denn Mündungshaltepunkt habe ich im ersten Viertel fest gelegt (ich viertel zwischen Hoch- und Niederhaus) und mein Sichtpunkt liegt etwas vor dem Haus. Die Treffzone liegt bei ca 1/2 - 3/4 zwischen den Häusern (bei Skeet).
Erreicht die Taube fast das Niederhaus (vom Hochhaus geworfen) kommt da Problem zum tragen " Vorhaltemaß zweidimensional," dann fällt sie heftig.
Dann muß man echt überlegen wie man sie früher erwischt.
Aber es gibt auch unabwägbare Situationen: heute packte der Wind unberechenbar unter die Tauben. Man hatte manchmal den Eindruck das sie plötzlich schneller und höher flogen. Sehr ungewöhnlich. Und der ein und andere erfahrenen Schütze schoss sie glatt vorbei.
Manchmal können da auch Super-Trainer nicht helfen. Und das ist das Salz in der Suppe.
Edward


be fair
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