#1

...von Papen

in Wingshooting 18.10.2014 20:25
von edward • 2.365 Beiträge

Hier eine Ergänzung zu Gentleman´s Beitrag v. Papen. Aus Jagen Weltweit.
Die richtige Flinte

Jagden auf getriebene Fasane bieten dem passionierten Flintenschützen eine hervorragende Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen. Die meisten Schützen benutzen bei stilvollen Fasanenjagden nicht zu schwere Querflinten. Schließlich wird die Waffe den ganzen Tag benutzt, und es werden oft mehrere hundert Patronen verschossen.

Eine schwere Sportflinte würde den Schützen hier zu sehr belasten. Querflinten werden von vielen Schützen dazu als führiger und "schneller" empfunden. Dies mag teils subjektiv sein, real ist aber der Vorteil des geringeren Öffnungswinkels gegenüber einer Bockflinte. Das Nachladen geht hier schneller, besonders, wenn mit Lader geschossen wird.

Viele Schützen bevorzugen bei gut besetzten Fasanenjagden einen Lader oder benutzen Schwesternflinten. Der Umgang mit Schwesternflinten muss aber vertraut sein, und der Schütze sich mit seinem Helfer blind verstehen, sonst kann es passieren, dass er mitten im besten Anflug plötzlich mit leerer Flinte dasteht.

Die meisten Schützen schießen daher mit Lader: klappen also nur die Flinten auf, worauf der Ejektor die leeren Hülsen auswirft, und bekommen vom seitlich stehenden Lader zwei neue Patronen in die Läufe gesteckt.

So ist eine wesentlich schnellere Schussfolge und vor allem ein konzentrierteres Schießen möglich, als wenn der Schütze selbst die Patronen aus der Tasche nehmen muss. Der Schütze braucht keinen Blick auf die Waffe zu werfen, sondern kann seine ganze Aufmerksamkeit dem "Luftraum" widmen.

Wird ein Lader "vor Ort" angeworben, ist das noch ein Grund, eine Querflinte vorzuziehen, denn vor allem englische Lader sind meist auf diese Waffenart eingeschworen und können sich kaum umstellen. Es ist auch viel einfacher, zwei Patronen zwischen die Finger nebeneinander zu klemmen, als übereinander.

Die beste Wahl dürfte eine gute Querflinte im Kaliber 12 mit einem Gewicht von etwa 2,8 bis drei Kilogramm sein. Leichtere Waffen produzieren zu viel Rückstoß, und schwerere lassen sich nicht einen ganzen Tag lang problemlos und flüssig handhaben.

Wenn man bei Top-Jagden fast ausschließlich Seitenschlosswaffen mit von Hand herausnehmbaren Schlossen oder Flinten mit nach unten herausnehmbaren Schlossteilen, wie etwa die Westley Richards Detachable Lock-Modelle, sieht, hat das seinen guten Grund.

Neben den guten Abzugswiderständen, die viel zum gleichmäßígen Treffen beitragen, lässt sich eine solche Flinte mit herausnehmbaren Schlossen auch problemlos reparieren, wenn wirklich mal ein Defekt während der Jagd eintritt. Einfach ein Ersatzschloss einsetzen, und es kann weitergehen. Bei einer Anson- oder Blitzschlossflinte geht bei einem Federbruch nichts mehr, und die Waffe muss zum Büchsenmacher.

Bei den hohen Belastungen, denen eine Flinte bei wildreichen Jagden ausgesetzt ist, kann ein Defekt durchaus schon einmal vorkommen. Ejektoren sind bei einer Flugwildflinte, die bei Jagden auf getriebene Fasane eingesetzt werden soll, selbstverständlich.

Die meisten versierten Schützen bevorzugen offene Bohrungen. Verbesserte Zylinderbohrung im rechten Lauf und 1/4 oder maximal 1/2 Choke im linken Lauf sind bei Flugwildflinten für diese Jagdart die Regel.

Die Schaftform ist weitgehend Geschmackssache, obwohl an einer eleganten Querflinte eigentlich nur ein englischer Schaft stilvoll ist. Wichtiger ist aber, dass der Schaft dem Schützen wirklich passt und zwar wie angegossen. Wer keine Durchschnittsstatur hat, wird einen passenden Schaft wohl nur nach dem Besuch einer Schießschule bekommen. Die Schaftmaße müssen von einem versierten Schießlehrer mittels eines Gelenkgewehres ermittelt werden.
Außerdem sollte der Schaft auch für die Jagd auf Flugwild ausgelegt sein. Das ist am Pitch zu erkennen. Die "spitze" Auslegung der Schaftkappe kennzeichnet ihn als Flugwildschaft. Der Pitch ist gering, und der Abstand vom Abzug zur Schaftkappe ist unten größer als oben. Auf die Kappe gestellt, kippt eine so geschäftete Flinte nach hinten um.

Eine Flinte für die Auslandsjagd sollte unbedingt im Kaliber 12 gekauft werden. Dieses Kaliber hat sich international durchgesetzt, und Patronen dafür sind auf der ganzen Welt zu bekommen. Die 16er Munition ist dagegen außerhalb Deutschlands oft schwierig in ausreichender Menge und Qualität aufzutreiben, und auch 20er Patronen haben nur Nachteile, weil sie ballistisch keine Vorteile bieten und teurer sind.

Schrotpatronen werden meist vor Ort gekauft, weil bei guten Jagden große Mengen benötigt werden, die vor allem bei einer Anreise mit dem Flugzeug viel zu viel Gewicht bedeuten würden. Die Vorlage sollte 28 oder höchstens 30 Gramm wiegen. Mehr ist nicht nötig und würde den Schützen zu sehr belasten.

Als Schrote sind 2,7 bis 3,0 Millimeter absolut ausreichend. Gröbere Schrote verschlechtern die Deckung erheblich und bringen viel schlechtere Trefferquoten. Viele englische Spitzenschützen schießen sogar nur 2,5 Millimeter und das mit bestem Erfolg. Selbst "turmhoch" über die Baumwipfel heranstreichende Hähne sind kaum höher als 30 Meter, wenn sie über dem Schützen sind, und hier reicht eine 2,5 Millimeter-Patrone mit 28 Gramm Schrot allemal.

Für eine gute Querflinte mit Maßschaft muss natürlich ein entsprechender Betrag einkalkuliert werden, aber hier zahlt sich Qualität schnell aus. Eine erstklassige Flinte hält ein Leben lang und repräsentiert einen entsprechenden Wert, während die Billigflinte, auch wenn der Schütze zunächst damit gut trifft, bei entsprechendem Einsatz meist keine sehr hohe Lebensdauer hat.

Die besten Flinten werden auch heute noch in England gebaut, aber auch in Belgien oder Spanien versteht man etwas von der Kunst des Flintenbauens, und wer hier einkauft, kommt preisgünstiger weg, zumal der Pfundkurs die ohnehin schon hohen Preise noch weiter in die Höhe getrieben hat.

Als Vorbereitung auf eine Fasanenjagd empfiehlt sich der Besuch eines Schießparcours. Nur hier lassen sich entsprechende Jagdsituationen nachstellen. Auf dem Trap- oder Skeetstand ist das kaum möglich.
Edward


be fair
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#2

RE: ...von Papen

in Wingshooting 19.10.2014 10:11
von Gentleman • 1.526 Beiträge

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.....hier mal einige Videos mit von Papen...

Video : http://www.youtube.com/watch?v=sgChlI2G_FY

Video : http://www.youtube.com/watch?v=saTZh_vbh4o

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Flintenschießen bedeutet eins sein mit der Natur. Es geht um den perfekten Treffer, um Harmonie mit der Welt - trotz ubiquitärer Widrigkeiten, trotz Wind und Wetter, trotz aller persönlicher Unzulänglichkeiten. Flintenschießen ist- in diesem Punkt dem Golfsport nicht unähnlich- die freiwillige, individuelle Konfrontation mit der Notwendigkeit, sich zu verbessern. Mit der Erkenntnis, dass gut nicht gut genug ist. Mit lebenslangem Lernen, wohl wissend, dass Perfektion unerreichbar bleibt.

zuletzt bearbeitet 19.10.2014 10:12 | nach oben springen


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